Die Stromversorgung gehört zu den zentralen sicherheitsrelevanten Systemen eines ferngesteuerten Flugmodells. Während beim Elektroantrieb hohe Leistungen offensichtlich sind, wird der Strombedarf der eigentlichen RC-Anlage häufig unterschätzt.
Der Empfänger selbst benötigt meist vergleichsweise wenig Strom. Die entscheidenden Verbraucher sind in vielen Flugmodellen die Servos. Moderne Digital-, Brushless- und High-Voltage-Servos können unter Last kurzzeitig Ströme von mehreren Ampere pro Servo aufnehmen.
Bei einem leistungsstarken KST X20-7.4-M-835 wird beispielsweise ein Blockierstrom von 4,95 A bei 7,4 V angegeben. Bei einem anderen KST-Servo werden Anlaufströme bis 5,8 A bei 8,4 V genannt.
Bei mehreren gleichzeitig arbeitenden Servos entstehen deshalb Stromspitzen, die deutlich oberhalb des durchschnittlichen Stromverbrauchs eines Fluges liegen können.
Eine korrekt ausgelegte RC-Stromversorgung muss daher zwei grundsätzlich unterschiedliche Anforderungen erfüllen:
- Sie muss genügend Energie bzw. Akkukapazität für die gewünschte Betriebsdauer bereitstellen.
- Sie muss gleichzeitig den erforderlichen Momentan- und Spitzenstrom liefern können, ohne dass die Versorgungsspannung unzulässig einbricht.
Diese beiden Anforderungen dürfen nicht miteinander verwechselt werden.
Ein Akku mit hoher Kapazität ist nicht automatisch eine gute Hochstromquelle – und ein sehr leistungsfähiger Hochstromakku besitzt nicht automatisch genügend Kapazität für die gewünschte Betriebsdauer.
1. Welche Komponenten gehören zur RC-Stromversorgung?
Zur RC-Anlage eines Flugmodells können unter anderem gehören:
- Empfänger
- Servos
- Empfängersatelliten
- Gyrosysteme
- Flybarless-Systeme
- Telemetriesensoren
- elektronische Schalter
- Stromverteiler und Akkuweichen
- Central-Box-Systeme
- Fahrwerkssteuerungen
- Ventilsteuerungen
- Beleuchtungssteuerungen
- Sequenzer
- zusätzliche RC-Elektronik
Nicht jede dieser Komponenten muss zwangsläufig aus derselben Stromquelle versorgt werden.
Gerade bei größeren und komplexeren Flugmodellen kann es sinnvoll sein, bestimmte Verbraucher oder Verbrauchergruppen elektrisch voneinander zu trennen.
2. Es gibt nicht „die RC-Spannung“
Eine häufige Fehlannahme im Modellflug besteht darin, RC-Komponenten pauschal als 5-V-, 6-V- oder 7,4-V-Komponenten zu betrachten.
Entscheidend ist jedoch nicht die umgangssprachliche Bezeichnung, sondern der vom Hersteller angegebene zulässige Betriebsspannungsbereich jeder einzelnen Komponente.
Beispiele moderner HV-Servos zeigen dies deutlich. Verschiedene aktuelle KST-HV-Servos besitzen beispielsweise einen spezifizierten Betriebsspannungsbereich von 6,0 bis 8,4 V.
Ein moderner PowerBox PBR-12X Empfänger ist dagegen für einen Betriebsspannungsbereich von 4,0 bis 9,0 V spezifiziert.
Das bedeutet jedoch ausdrücklich nicht, dass alle Empfänger oder alle Servos dieselben Spannungen vertragen.
Grundregel
Die zulässige Systemspannung wird immer durch die Komponente mit dem engsten zulässigen Spannungsbereich bestimmt.
Dazu müssen beispielsweise geprüft werden:
- Empfänger
- sämtliche Servos
- Gyro
- Telemetriesensoren
- Fahrwerkssteuerungen
- Ventile
- Beleuchtungsmodule
- sonstige angeschlossene Elektronik
Besonders wichtig ist die maximal zulässige Spannung.
Ein als „7,4-V-Akku“ bezeichneter 2S-LiPo-Akku erreicht unmittelbar nach dem Laden beispielsweise 8,4 V. Die Nennspannung von 7,4 V darf deshalb niemals als maximale Versorgungsspannung interpretiert werden. Standard-LiPo-Zellen besitzen typischerweise 3,7 V Nennspannung und werden bis 4,2 V pro Zelle geladen.
3. Typische Akkuspannungen der RC-Stromversorgung
| Akkutechnologie | Typische Zellenzahl | Nennspannung | Wichtiger Hinweis |
|---|---|---|---|
| NiMH | 4S | 4,8 V | Spannung nach dem Laden liegt oberhalb der Nennspannung |
| NiMH | 5S | 6,0 V | tatsächliche Spannung muss mit der RC-Elektronik kompatibel sein |
| LiFePO4 | 2S | ca. 6,6 V | typischerweise 3,3 V Nennspannung je Zelle |
| Li-Ion | 2S | typ. ca. 7,2–7,4 V | genaue Zellchemie und Ladeschlussspannung beachten |
| LiPo | 2S | 7,4 V | maximal 8,4 V bei 4,2 V/Zelle |
| LiHV | 2S | 7,6 V | bis 8,7 V bei 4,35 V/Zelle möglich |
Spektrum gibt beispielsweise für einen 2S-LiFe-Empfängerakku 6,6 V bzw. 3,3 V pro Zelle an.
Für LiHV-Zellen existieren dagegen Ausführungen mit 3,8 V Nennspannung und 4,35 V Ladeschlussspannung pro Zelle. Ein 2S-LiHV-Akku kann damit 8,7 V erreichen.
Das ist insbesondere dann wichtig, wenn Empfänger oder Servos lediglich bis 8,4 V freigegeben sind.
Ein 2S-LiHV-Akku darf in einem solchen System nicht allein deshalb eingesetzt werden, weil er mechanisch und steckertechnisch einem normalen 2S-LiPo entspricht.
4. Standardservos und High-Voltage-Servos
Historisch wurden RC-Anlagen häufig mit vier- oder fünfzelligen NiCd- beziehungsweise NiMH-Empfängerakkus betrieben.
Daraus entstanden die klassischen Spannungsklassen:
- etwa 4,8 V
- etwa 6,0 V
Moderne HV-Servos – High Voltage Servos – sind dagegen häufig für die direkte Versorgung aus einem zweizelligen Lithium-Akku vorgesehen.
Bei zahlreichen heutigen HV-Servos reicht der zulässige Bereich beispielsweise bis 8,4 V. Dadurch kann ein normaler 2S-LiPo direkt verwendet werden, sofern sämtliche anderen Komponenten ebenfalls für diese Spannung freigegeben sind.
Genau auf diesen Punkt weist beispielsweise JETI bei seinen Central-Box-Systemen hin: Die Central Box 100, 210 und 220 besitzen keine Spannungsregelung. Die Eingangsspannung wird an die Servoausgänge weitergegeben. Bei direktem Einsatz zweizelliger Lithium-Akkus müssen entsprechend geeignete HV-Servos verwendet werden.
5. Warum eine höhere Servospannung interessant sein kann
Bei vielen Servos verändern sich Drehmoment und Stellgeschwindigkeit mit der Versorgungsspannung.
Beispielsweise spezifiziert KST für das X20-3012:
| Spannung | Stellmoment | Stellgeschwindigkeit |
| 6,0 V | 25 kgf·cm | 0,15 s/60° |
| 7,4 V | 30 kgf·cm | 0,12 s/60° |
| 8,4 V | 35 kgf·cm | 0,11 s/60° |
Eine höhere Betriebsspannung kann bei dafür ausgelegten Servos also zu höherem Drehmoment und höherer Stellgeschwindigkeit führen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes Servo grundsätzlich mit der höchstmöglichen Spannung betrieben werden sollte.
Entscheidend bleiben:
- Herstellerfreigabe
- benötigtes Drehmoment
- gewünschte Geschwindigkeit
- Stromaufnahme
- thermische Belastung
- Belastbarkeit der Stromversorgung
- Kompatibilität aller übrigen Komponenten
6. Stromverbrauch einer RC-Anlage
Der Stromverbrauch einer RC-Anlage ist nicht konstant.
Man muss mindestens zwischen folgenden Größen unterscheiden:
Ruhestrom
Stromaufnahme des Systems, während Servos kaum arbeiten.
Durchschnittsstrom
Mittlere Stromaufnahme während eines kompletten Fluges.
Dieser Wert ist insbesondere für die Berechnung der erforderlichen Akkukapazität relevant.
Anlaufstrom
Beim Beschleunigen eines Servomotors können hohe kurzzeitige Ströme auftreten.
Laststrom
Stromaufnahme eines Servos unter mechanischer beziehungsweise aerodynamischer Belastung.
Blockierstrom / Stall Current
Stromaufnahme bei blockierter Abtriebswelle beziehungsweise maximaler Motorbelastung.
Der Blockierstrom stellt keine normale Dauerbelastung dar, zeigt aber sehr deutlich, welche kurzzeitigen Ströme im System möglich sind.
7. Warum moderne Servos hohe Stromspitzen verursachen können
Ein Servo ist ein geregelter elektrischer Antrieb.
Wird das Ruder durch aerodynamische Kräfte belastet und weicht die tatsächliche Servo-Position von der Sollposition ab, versucht die Servoelektronik die Abweichung auszuregeln.
Je höher das erforderliche Motordrehmoment, desto höher kann die Motorstromaufnahme werden.
Besonders hohe Belastungen können unter anderem entstehen durch:
- große Ruderflächen
- hohe Fluggeschwindigkeit
- große Ruderausschläge
- kurze Servohebel
- schwergängige Anlenkungen
- klemmende Ruder
- mechanische Verspannungen
- gegeneinander arbeitende Servos
- schnelle Richtungswechsel
- mehrere gleichzeitig bewegte Servos
Bei Großmodellen mit mehreren leistungsstarken Servos sind deshalb kurzzeitig zweistellige Gesamtströme keineswegs außergewöhnliche Dimensionierungsgrößen.
JETI spezifiziert beispielsweise die Central Box 210/220 für 20 A Dauerstrom, die Central Box 220 zusätzlich für 90 A Spitzenstrom über zwei Sekunden.
Im Handbuch empfiehlt JETI für die Versorgung der Central Box 210/220 Stromquellen mit mindestens 15 A Dauerstrom und 90 A Spitzenstrom, damit die Stromversorgung die Leistungsfähigkeit des Systems nicht unnötig begrenzt.
Diese Werte sind keine pauschale Empfehlung für jedes Flugmodell. Sie zeigen jedoch sehr anschaulich, in welchen Strombereichen moderne Stromverteilsysteme für Großmodelle ausgelegt werden.
8. Der Empfänger ist häufig nicht der entscheidende Verbraucher
Der elektrische Eigenverbrauch eines modernen Empfängers kann gegenüber den angeschlossenen Servos relativ klein sein.
Beim PowerBox PBR-12X beträgt die spezifizierte Stromaufnahme beispielsweise 25 mA im Betrieb. Gleichzeitig ist das Gerät für eine Strombelastbarkeit von 12 A dauerhaft und 20 A für weniger als 30 Sekunden ausgelegt.
Das verdeutlicht einen wichtigen Unterschied:
Eigenstromaufnahme und Stromdurchleitung sind zwei vollständig verschiedene Größen.
Ein Empfänger kann selbst nur wenige zehn Milliampere benötigen, während über seine Stromschienen mehrere Ampere zu angeschlossenen Servos fließen.
9. Die Verkabelung ist Teil der Stromversorgung
Eine leistungsfähige Batterie allein garantiert noch keine stabile Versorgung.
Zwischen Akku und Servo befinden sich möglicherweise:
- Akkukabel
- Steckverbinder
- Schalter
- BEC
- Akkuweiche
- Stromverteiler
- Empfängerplatine
- Verlängerungskabel
- Servo-Steckverbinder
Jede Verbindung besitzt einen elektrischen Widerstand.
Der dadurch verursachte Spannungsabfall folgt näherungsweise dem Ohmschen Gesetz:
ΔU = I × R
mit:
- ΔU = Spannungsabfall
- I = Strom
- R = Gesamtwiderstand des Strompfades
Ein Widerstand von nur 0,05 Ω verursacht bei 10 A bereits:
ΔU = 10 A × 0,05 Ω = 0,5 V
Bei 20 A wären es bereits:
1,0 V
Damit wird verständlich, warum Kabelquerschnitt, Leitungslänge, Steckverbinder und Kontaktqualität bei leistungsfähigen RC-Systemen eine wesentliche Rolle spielen.
10. Möglichkeit 1: Direkter Empfängerakku ohne Spannungsregelung
Die technisch einfachste Lösung besteht aus:
Empfängerakku → Schalter/Stromverteiler → RC-Anlage
Die Spannung wird nicht aktiv geregelt.
Sie folgt der jeweiligen Akkuspannung.
Ein entsprechendes System kann beispielsweise mit:
- NiMH
- LiFePO4
- Li-Ion
- LiPo
betrieben werden, sofern die gesamte angeschlossene Elektronik den vollständigen Spannungsbereich des Akkus verträgt.
Vorteile
- geringer Systemaufwand
- keine Spannungswandlung
- keine Reglerverluste
- kein Spannungsregler als zusätzliches aktives Bauteil
- hohe Ströme möglich, wenn Akku und Verteilung entsprechend dimensioniert sind
Nachteile
Die Ausgangsspannung verändert sich mit:
- Ladezustand
- Belastung
- Innenwiderstand des Akkus
- Temperatur
Außerdem muss jede angeschlossene Komponente mit der maximal auftretenden Akkuspannung kompatibel sein.
11. Direkte 2S-LiPo-Versorgung einer HV-RC-Anlage
Eine heute technisch mögliche Konfiguration besteht beispielsweise aus:
2S-LiPo → geeigneter Hochstromverteiler → HV-Empfänger und HV-Servos
Ein normaler 2S-LiPo besitzt:
- 7,4 V Nennspannung
- 8,4 V bei vollständiger Ladung
Die Anlage muss daher für mindestens die tatsächlich auftretenden 8,4 V freigegeben sein.
Für entsprechend ausgelegte Systeme wird diese Architektur von verschiedenen Herstellern ausdrücklich unterstützt. So arbeitet beispielsweise die JETI Central Box 210 mit einer Versorgungsspannung von 4 bis 8,4 V und enthält keine Spannungsstabilisierung.
Auch PowerBox bietet mit der Pioneer ein System mit ungeregelter Ausgangsspannung an, das für 2S LiPo, 2S Li-Ion, 2S LiFePO4 oder 5S NiMH vorgesehen ist.
12. Möglichkeit 2: Spannungsversorgung über ein BEC
BEC bedeutet:
Battery Eliminator Circuit
Das BEC erzeugt aus einer vorhandenen Eingangsspannung eine für die RC-Anlage geeignete Ausgangsspannung.
Ein typisches Schema eines Elektroflugmodells lautet:
Antriebsakku → BEC → Empfänger / Servos
Dadurch wird kein separater Empfängerakku benötigt.
BEC-Systeme können:
- Bestandteil des Motorreglers sein
- als separates externes BEC ausgeführt sein
- Bestandteil einer Stromversorgung beziehungsweise Akkuweiche sein
13. Integriertes BEC im Motorregler
Viele elektronische Drehzahlsteller besitzen ein integriertes BEC.
Dadurch übernimmt der Antriebsakku gleichzeitig die Versorgung von:
- Empfänger
- Servos
- RC-Elektronik
Der Vorteil liegt insbesondere in:
- geringerem Verkabelungsaufwand
- geringerem Gewicht
- keinem zusätzlichen Empfängerakku
- einfacher Handhabung
Die entscheidende Frage lautet jedoch:
Ist das integrierte BEC für die tatsächliche RC-Last ausreichend dimensioniert?
Dabei müssen insbesondere geprüft werden:
- Ausgangsspannung
- Dauerstrom
- Spitzenstrom
- zulässige Eingangsspannung
- Kühlung
- Herstellerangaben zur Servoanzahl beziehungsweise Belastbarkeit
Moderne Hochleistungsregler können durchaus leistungsfähige BEC-Systeme besitzen. Ein Spektrum Avian 130 A Pro Smart ESC besitzt beispielsweise ein BEC mit 10 A Dauerstrom und einstellbaren Ausgangsspannungen von 6,0 / 7,4 / 8,4 / 9 / 12 V.
Das zeigt gleichzeitig, warum pauschale Aussagen wie „das BEC im Regler reicht aus“ oder „ein Regler-BEC reicht nicht aus“ fachlich nicht korrekt sind.
Entscheidend sind die konkreten technischen Daten.
14. Externes BEC
Ein externes BEC ist ein eigenständiger Spannungsregler.
Es kann beispielsweise aus dem Antriebsakku versorgt werden:
Antriebsakku → externes BEC → RC-Anlage
Damit ist die Stromversorgung der RC-Anlage hinsichtlich ihrer Strombelastbarkeit weitgehend unabhängig vom internen BEC des Motorreglers.
Ein leistungsfähiges externes BEC kann insbesondere sinnvoll sein bei:
- mehreren Digitalservos
- leistungsstarken HV-Servos
- Großmodellen
- Hubschraubern
- Jets
- komplexen RC-Systemen
Ein aktuelles JETI S BEC 30 D EX besitzt beispielsweise eine einstellbare Ausgangsspannung von 5 bis 8,4 V und einen spezifizierten Spitzenstrom von 30 A für maximal fünf Sekunden.
15. Linear-BEC und Schalt-BEC
Spannungsregler können grundsätzlich unterschiedlich aufgebaut sein.
Linearregler
Ein Linearregler reduziert die Eingangsspannung, indem die Spannungsdifferenz im Regler in Wärme umgesetzt wird.
Die Verlustleistung lässt sich näherungsweise berechnen:
Pᵥ = (Uein − Uaus) × I
Beispiel:
8,0 V Eingangsspannung
6,0 V Ausgangsspannung
5 A Strom
ergibt:
Pᵥ = 2 V × 5 A = 10 W
Diese Leistung muss als Wärme abgeführt werden.
Deshalb sinkt die praktische Belastbarkeit eines Linearreglers erheblich, wenn Eingangsspannung und Ausgangsspannung weit auseinanderliegen.
JETIs MAX BEC ist beispielsweise ein Linearregler. Der Hersteller gibt 5 A Dauerstrom, 12 A Spitzenstrom und eine maximale Verlustleistung von 7 W an.
Schalt-BEC / SBEC
Ein Schaltregler wandelt die Spannung mit einem getakteten elektronischen Wandler.
Dadurch lassen sich wesentlich größere Differenzen zwischen Eingangs- und Ausgangsspannung mit erheblich geringeren Verlustleistungen realisieren als bei einer linearen Regelung.
Die mögliche Dauerleistung ist trotzdem nicht unbegrenzt.
Sie hängt unter anderem von:
- Eingangsspannung
- Ausgangsspannung
- Ausgangsstrom
- Wirkungsgrad
- Umgebungstemperatur
- Kühlung
ab.
JETI gibt beispielsweise für sein SBEC je nach Anzahl der Eingangszellen unterschiedliche zulässige Dauerströme an. Bei 2S LiXX werden 6,2 A spezifiziert, bei 10S noch 3,5 A. Die Werte gelten laut Hersteller nur bei ausreichender Kühlluft.
Dies ist ein wichtiger Punkt:
Die auf einem BEC angegebene maximale Stromstärke kann nicht unabhängig von Eingangsspannung und thermischen Bedingungen betrachtet werden.
16. Dropout-Spannung beachten
Ein Spannungsregler kann seine Ausgangsspannung nur stabil halten, wenn seine Eingangsspannung ausreichend hoch ist.
Je nach Regler ist dafür eine bestimmte Mindestdifferenz zwischen Eingangs- und Ausgangsspannung erforderlich.
Wird diese unterschritten, kann die Ausgangsspannung mit der Eingangsspannung absinken.
JETI empfiehlt bei einem seiner SBEC-Systeme beispielsweise mindestens etwa 2 V Differenz zwischen Eingangsspannung und gewünschter Ausgangsspannung, damit die Ausgangsspannung unter Belastung zuverlässig geregelt werden kann.
Die erforderliche Spannungsreserve ist jedoch produktspezifisch.
17. Externes BEC aus dem Antriebsakku – Vorteil und Nachteil
Ein leistungsfähiges externes BEC am Antriebsakku kann eine sehr leistungsfähige RC-Versorgung darstellen.
Es entsteht jedoch eine systemtechnische Abhängigkeit:
Antriebsakku und dessen Verkabelung sind gleichzeitig Teil der RC-Stromversorgung.
Ein schwerwiegender Fehler in diesem Bereich kann deshalb unter Umständen sowohl den Antrieb als auch die RC-Stromversorgung betreffen.
Ein separater Empfängerakku trennt diese beiden Energiequellen dagegen voneinander.
Welche Architektur sinnvoller ist, hängt von:
- Modellgröße
- Antriebskonzept
- Gewicht
- erforderlicher Redundanz
- Strombedarf
- verwendeter Stromverteilung
ab.
Es gibt deshalb keine grundsätzlich für jedes Flugmodell richtige Lösung.
18. Möglichkeit 3: Separater Empfängerakku mit BEC
Eine weitere Variante lautet:
separater RC-Akku → BEC → RC-Anlage
Beispielsweise kann ein zweizelliger Lithium-Akku über einen Spannungsregler eine konstante 6-V-Versorgung erzeugen.
Diese Architektur kombiniert:
- separate Energiequelle für die RC-Anlage
- definierte Ausgangsspannung
- Unabhängigkeit vom Antriebsakku
Sie enthält allerdings zusätzlich einen Spannungsregler als aktives Bauteil.
19. Möglichkeit 4: Zwei Empfängerakkus mit Akkuweiche
Bei größeren beziehungsweise hochwertigen Flugmodellen werden häufig redundante Stromversorgungssysteme eingesetzt.
Das Grundprinzip lautet:
Akku 1 ─┐
├→ Akkuweiche / Power Distribution → RC-Anlage
Akku 2 ─┘
Ein geeignetes System überwacht beziehungsweise entkoppelt beide Stromquellen.
Fällt eine Spannungsquelle aus, kann die andere weiterhin zur Versorgung beitragen.
Ein Beispiel dafür ist die PowerBox Pioneer. Sie besitzt zwei voneinander ausgelegte Versorgungspfade und ist für 2 × 10 A Dauerbelastung beziehungsweise 2 × 20 A unter 30 Sekunden spezifiziert. Die Ausgangsspannung ist dabei ungeregelt.
Auch die JETI Central Box 210/220 kann mit zwei Akkus beziehungsweise Stromquellen versorgt werden. Dabei sind die beiden Eingänge voneinander getrennt.
20. Zwei Akkus bedeuten nicht automatisch vollständige Redundanz
Redundanz muss immer als vollständige Systemkette betrachtet werden.
Zwei Akkus allein helfen beispielsweise wenig, wenn anschließend beide über:
- denselben unterdimensionierten Stecker
- denselben mechanischen Schalter
- denselben Spannungsregler
- denselben einzelnen Strompfad
geführt werden.
Eine echte Redundanzanalyse betrachtet deshalb:
Energiequelle → Verkabelung → Steckverbinder → Schalter → Spannungsregelung → Stromverteilung → Empfänger → Servo
Dabei muss untersucht werden, welche Komponenten als Single Point of Failure verbleiben.
21. BEC-Systeme dürfen nicht beliebig parallel geschaltet werden
Zwei Spannungsregler dürfen nicht automatisch einfach an ihren Ausgängen miteinander verbunden werden.
Je nach Schaltung können sich Regler gegenseitig beeinflussen oder beschädigen.
Castle Creations weist beispielsweise beim CC BEC 2.0 ausdrücklich darauf hin, dass dieses BEC nicht parallel mit einem anderen BEC oder einem zusätzlichen Empfängerakku auf der RX-/Servo-Seite betrieben werden soll.
Soll eine redundante Versorgung aus zwei geregelten Quellen aufgebaut werden, muss das verwendete Stromversorgungssystem ausdrücklich dafür vorgesehen sein.
22. Stromversorgung bei hohem Servo-Strombedarf
Bei sehr leistungsfähigen Servos reicht es nicht aus, ausschließlich auf Akku und BEC zu schauen.
Die gesamte Stromübertragung muss entsprechend ausgelegt werden.
Problematische Architektur
leistungsfähiger Akku → einzelner kleiner Servo-Stecker → Empfänger → acht Hochleistungsservos
Selbst wenn Akku und BEC theoretisch genügend Strom liefern könnten, kann der Strompfad durch Steckverbinder, Leiterbahnen oder Kabel begrenzt werden.
Technisch geeigneter Ansatz
Bei hohen Strömen wird deshalb häufig eine separate Hochstromverteilung eingesetzt:
Akku/BEC → Hochstromanschluss → Stromverteiler → einzelne Servoausgänge
Der Empfänger übernimmt dabei primär die Signalverarbeitung, während die hohen Servoströme über dafür dimensionierte Strompfade verteilt werden.
Beispiele dafür sind:
- Central-Box-Systeme
- PowerBox-Systeme
- PowerSafe-Empfänger
- spezielle Hochstrom-Stromverteiler
JETIs Central Box 210 verwendet beispielsweise MPX-Anschlüsse für die Stromversorgung und ist für 20 A Dauerstrom spezifiziert.
PowerBox verwendet beim PBR-12X einen separaten MR30-Hochstromeingang.
Das Grundprinzip ist herstellerunabhängig sinnvoll:
Hohe Ströme benötigen dafür dimensionierte Strompfade.
23. Mehrere Einspeisepunkte können den Strompfad verbessern
Bei klassischen Empfängern kann die Einspeisung über mehrere geeignete Anschlüsse den Strom auf mehrere Steckkontakte und Leitungen verteilen.
Ob und wie dies zulässig ist, hängt allerdings von der internen Konstruktion des jeweiligen Empfängers ab.
Hersteller entsprechender BEC-Systeme nutzen dieses Prinzip ebenfalls. Beim JETI MAX BEC werden beispielsweise zwei Ausgangskabel verwendet; der Hersteller empfiehlt beide anzuschließen, um die Belastung der Steckverbinder zu reduzieren.
Bei sehr hohen Strömen ist ein spezieller Stromverteiler dennoch die technisch sauberere Lösung.
24. Welcher Akku eignet sich für die RC-Anlage?
NiMH
Nickel-Metallhydrid-Akkus werden seit vielen Jahren zur Empfängerstromversorgung eingesetzt.
Vorteile:
- robuste Technologie
- unkomplizierte Spannungsbereiche bei klassischen RC-Anlagen
- keine Spannungsregelung zwingend erforderlich, wenn Komponenten zur Zellenzahl passen
Zu berücksichtigen sind:
- Gewicht
- Selbstentladung je nach Zelltyp
- Innenwiderstand
- Spannungsabfall unter hoher Belastung
- Alterungszustand
Entscheidend ist nicht allein die Kapazität, sondern insbesondere die Hochstromfähigkeit des konkret verwendeten Akkus.
25. LiFePO4
LiFePO4-Akkus besitzen typischerweise eine Nennspannung von etwa 3,3 V pro Zelle, entsprechend etwa 6,6 V bei 2S.
Damit liegt ihre Spannung zwischen klassischen NiMH-Systemen und einem 2S-LiPo-System.
Das kann bei geeigneten Komponenten eine direkte Versorgung ermöglichen.
Auch hier gilt:
Die tatsächliche maximale Ladespannung des konkreten Akkus muss innerhalb des zulässigen Spannungsbereichs der RC-Komponenten liegen.
26. LiPo
LiPo-Akkus besitzen typischerweise:
- 3,7 V Nennspannung pro Zelle
- 4,2 V maximale Ladespannung pro Zelle
Ein 2S-LiPo besitzt daher:
- 7,4 V Nennspannung
- 8,4 V vollständig geladen
LiPo-Akkus können für leistungsfähige HV-RC-Systeme sehr hohe Ströme bereitstellen.
Voraussetzung ist wiederum, dass alle Komponenten für die maximale Spannung geeignet sind.
27. Li-Ion
Lithium-Ionen-Zellen können eine interessante Alternative darstellen, insbesondere wenn Energiedichte und Gewicht eine Rolle spielen.
Die Bezeichnung „Li-Ion“ beschreibt allerdings keine einzige universelle Zellspannung.
Abhängig von der verwendeten Zellchemie existieren unterschiedliche:
- Nennspannungen
- Ladeschlussspannungen
- Entladeschlussspannungen
- Belastbarkeiten
Deshalb darf bei Li-Ion-Akkus nicht ausschließlich aus der Bezeichnung „2S“ auf die Eignung für eine RC-Anlage geschlossen werden.
Die technischen Daten des konkreten Akkus sind maßgebend.
28. LiHV – besondere Vorsicht bei direkter Versorgung
LiHV-Akkus können bis 4,35 V pro Zelle geladen werden.
Bei 2S ergibt das:
2 × 4,35 V = 8,70 V
Damit überschreiten sie die maximal zulässige Spannung vieler für maximal 8,4 V ausgelegter HV-Komponenten.
Ein 2S-LiHV-Akku darf deshalb nicht automatisch als Ersatz für einen 2S-LiPo verwendet werden.
29. Die C-Rate des Akkus
Die maximale theoretische Strombelastbarkeit eines Akkus wird häufig über die sogenannte C-Rate angegeben.
Die Rechnung lautet:
Imax = Kapazität in Ah × C-Rate
Beispiel:
2,2 Ah × 20 C = 44 A
Ein entsprechender Spektrum 2200-mAh-LiFe-Empfängerakku wird tatsächlich mit 20 C beziehungsweise 44 A maximalem Dauerstrom spezifiziert.
Die Chemie allein sagt allerdings wenig über die Belastbarkeit aus.
Ein anderer 2000-mAh-Empfängerakku wird beispielsweise nur mit 1,5 C beziehungsweise 3 A spezifiziert.
Damit wird deutlich:
„2S LiPo“ oder „2S LiFe“ beschreibt noch nicht die Hochstromfähigkeit des Akkus.
Berücksichtigt werden müssen:
- Herstellerangabe
- C-Rate
- Innenwiderstand
- Kabelquerschnitt
- Steckverbinder
- Temperatur
- Alter und Zustand des Akkus
30. Akkukapazität richtig dimensionieren
Die Kapazität wird in:
mAh – Milliamperestunden
oder
Ah – Amperestunden
angegeben.
Die theoretische Beziehung lautet:
Kapazität = mittlerer Strom × Zeit
beziehungsweise:
Q = I × t
Bei einem mittleren Stromverbrauch von 1 A würde ein idealer 2-Ah-Akku theoretisch zwei Stunden liefern.
In der Praxis sollte die Auslegung einer sicherheitsrelevanten Empfängerstromversorgung jedoch nicht auf vollständiger Entladung basieren.
31. Die beste Grundlage ist der tatsächlich gemessene Verbrauch
Eine wesentlich zuverlässigere Methode besteht darin, den realen Verbrauch des Flugmodells zu messen.
Moderne Stromversorgungen und Telemetriesysteme können häufig die verbrauchte Kapazität erfassen.
JETIs Central Box unterstützt beispielsweise die Telemetrie von Spannung, Strom und verbrauchter Kapazität der angeschlossenen Akkus.
Damit kann nach mehreren repräsentativen Flügen festgestellt werden:
Wie viele mAh benötigt das Modell tatsächlich pro Flug?
32. Kapazitätsberechnung über den gemessenen Verbrauch
Eine praxisgerechte Berechnung lautet:
erforderliche Kapazität = Verbrauch pro Flug × gewünschte Anzahl Flüge × Sicherheitsfaktor
Beispielrechnung – ausschließlich zur Erläuterung des Rechenwegs:
Gemessener Verbrauch:
450 mAh pro Flug
Gewünscht:
3 Flüge
ergibt:
450 mAh × 3 = 1350 mAh
Wird für die individuelle Auslegung beispielsweise eine Reserve von 30 % vorgesehen:
1350 mAh × 1,30 = 1755 mAh
Die nächstgrößere sinnvoll verfügbare Akkukapazität könnte anschließend gewählt werden.
Die Höhe der Sicherheitsreserve ist keine universelle Normgröße. Sie muss passend zum Modell, Einsatzprofil und Sicherheitskonzept festgelegt werden.
33. Kapazität nicht nur am typischen Flug ausrichten
Für eine belastbare Messung sollten unterschiedliche Betriebsbedingungen untersucht werden.
Beispielsweise:
- ruhiger Rundflug
- Kunstflug
- hohe Fluggeschwindigkeit
- häufige Klappenbetätigung
- Fahrwerksbetätigung
- intensive Ruderausschläge
Der höchste reproduzierbare Verbrauch ist für die Auslegung wesentlich aussagekräftiger als ein besonders sparsamer Flug.
34. Spitzenstrom und Akkukapazität getrennt dimensionieren
Ein typischer Fehler ist die Annahme:
„Der Akku hat 4000 mAh, deshalb ist er stark genug.“
Die Aussage ist elektrisch nicht ausreichend.
Die Kapazität beschreibt primär die verfügbare Ladungsmenge.
Für die Versorgung leistungsstarker Servos müssen zusätzlich betrachtet werden:
- zulässiger Dauerstrom des Akkus
- möglicher Spitzenstrom
- Innenwiderstand
- Spannungseinbruch unter Last
Ein kleiner Hochstromakku kann kurzfristig mehr Strom liefern als ein wesentlich größerer Akku mit ungeeigneter Zellkonstruktion.
35. Dimensionierung des BEC
Ein BEC sollte nicht anhand der Servoanzahl ausgewählt werden.
Die Aussage:
„BEC für acht Servos“
ist technisch kaum aussagekräftig.
Acht kleine Servos stellen eine vollständig andere elektrische Belastung dar als acht leistungsstarke 40-kg-cm-HV-Servos.
Für eine fachgerechte Auslegung müssen mindestens bekannt sein:
Ausgangsspannung
Passt sie zu allen RC-Komponenten?
Dauerstrom
Kann das BEC die langfristig auftretende Belastung thermisch bewältigen?
Spitzenstrom
Kann es kurzzeitige Servo-Stromspitzen abfangen?
Eingangsspannungsbereich
Passt das BEC zur Zellenzahl des versorgenden Akkus?
Strombelastbarkeit bei tatsächlicher Eingangsspannung
Manche BEC-Systeme können bei höherer Eingangsspannung weniger Dauerstrom liefern.
Kühlung
Kann die entstehende Verlustwärme abgeführt werden?
36. Wie lässt sich der erforderliche Spitzenstrom abschätzen?
Wenn der Hersteller die Blockier- beziehungsweise Anlaufströme der Servos angibt, kann daraus eine obere Belastungsgrenze abgeschätzt werden.
Bei mehreren Servos lautet die theoretische Summe:
Igesamt,max = I₁ + I₂ + I₃ + … + Iₙ
Würden beispielsweise vier Servos jeweils einen Blockierstrom von 5 A besitzen, ergäbe sich theoretisch:
4 × 5 A = 20 A
Im normalen Flug blockieren üblicherweise nicht sämtliche Servos gleichzeitig. Trotzdem zeigt die Rechnung, welche Größenordnung eine Versorgung kurzfristig erreichen können muss.
Für eine belastbare Auslegung sind deshalb zwei Methoden sinnvoll:
- Herstellerdaten der Servos auswerten.
- Tatsächliche Stromspitzen im fertigen Modell messen.
37. Versorgungsspannung unter Last messen
Die Spannung eines Akkus im unbelasteten Zustand liefert nur begrenzte Informationen.
Eine entscheidende Kenngröße ist:
Wie weit sinkt die Spannung bei hoher RC-Belastung?
Dabei wirken gemeinsam:
- Innenwiderstand des Akkus
- Steckverbinder
- Schalter
- Kabel
- Stromverteiler
- BEC
- Empfänger
- Servokabel
Eine statische Spannungsmessung vor dem Flug ersetzt deshalb keinen Belastungstest.
38. Brownout vermeiden
Sinkt die Versorgungsspannung unter die Mindestbetriebsspannung eines Empfängers oder einer anderen elektronischen Komponente, kann diese zurücksetzen oder vorübergehend ausfallen.
Der Fachbegriff für einen solchen Spannungseinbruch wird häufig als Brownout bezeichnet.
Eine gute Stromversorgung muss deshalb nicht nur genügend Strom liefern, sondern die Versorgungsspannung auch bei dynamischen Lastwechseln innerhalb des zulässigen Bereichs halten.
39. Hoher Strombedarf bei Großmodellen
Bei Großmodellen, Jets und leistungsfähigen Kunstflugmodellen können zahlreiche kräftige Servos gleichzeitig installiert sein.
Typische konstruktive Maßnahmen für solche Systeme sind:
- Hochstrom-Stromverteiler
- separate Akkueingänge
- zwei Versorgungskabel
- größere Stecksysteme
- kurze Versorgungsleitungen
- ausreichende Kabelquerschnitte
- zwei Empfängerakkus
- getrennte beziehungsweise redundante Strompfade
- Telemetrie für Spannung, Strom und Kapazität
Es geht dabei nicht darum, möglichst viele Komponenten einzubauen.
Ziel ist ein klar definierter, elektrisch belastbarer Strompfad.
40. Ein oder zwei Empfängerakkus?
Ein Akku
Kann bei korrekt dimensionierter Ausführung eine technisch einfache und leistungsfähige Lösung darstellen.
Vorteile:
- weniger Komponenten
- geringeres Gewicht
- weniger Verkabelung
Nachteil:
- Akku beziehungsweise dessen Anschluss stellt eine einzelne Energiequelle dar.
Zwei Akkus
Können eine redundante Energieversorgung ermöglichen.
Dafür benötigt das System allerdings eine geeignete Entkopplung beziehungsweise Akkuweiche.
Zwei Akkus dürfen nicht ohne Prüfung beliebig parallel verbunden werden.
41. Unterschiedliche Spannungsbereiche innerhalb eines Modells
Nicht immer besitzen alle Komponenten denselben zulässigen Spannungsbereich.
Beispielsweise könnten die Hauptservos bis 8,4 V geeignet sein, während ein spezielles Zubehörmodul lediglich für eine niedrigere Spannung ausgelegt ist.
Dann existieren mehrere Möglichkeiten:
- komplette RC-Anlage auf der niedrigsten gemeinsamen Spannung betreiben
- einzelne Verbraucher separat regeln
- getrennte Versorgungsschienen verwenden
Die korrekte Lösung hängt von den Herstellerfreigaben der Komponenten ab.
Keinesfalls darf davon ausgegangen werden, dass ein Servostecker automatisch eine bestimmte Spannung bedeutet.
42. Telemetrie zur Überwachung der Stromversorgung
Moderne RC-Systeme ermöglichen die Überwachung von:
- Akkuspannung
- BEC-Ausgangsspannung
- Strom
- verbrauchter Kapazität
- teilweise Temperatur
- teilweise Einzelakku-Zuständen
Diese Informationen sind für eine RC-Stromversorgung besonders wertvoll.
Die Kapazitätsanzeige ermöglicht beispielsweise eine wesentlich fundiertere Beurteilung als eine reine Spannungsmessung.
Bei Lithium-Systemen bleibt die Spannung über einen erheblichen Teil der Entladung relativ stabil. Der Kapazitätsverbrauch liefert deshalb eine zusätzliche wichtige Information über die tatsächlich entnommene Energie.
43. Typische Fehler bei der Stromversorgung
Fehler 1: Nennspannung mit Maximalspannung verwechseln
Ein 7,4-V-LiPo liefert vollständig geladen 8,4 V.
Fehler 2: Nur die Akku-Kapazität betrachten
mAh sagen nicht aus, welchen Spitzenstrom Akku und Strompfad liefern können.
Fehler 3: BEC ausschließlich nach Servoanzahl auswählen
Servoarten unterscheiden sich erheblich hinsichtlich ihrer Stromaufnahme.
Fehler 4: Blockierstrom der Servos ignorieren
Gerade schnelle leistungsstarke Digitalservos können kurzzeitig mehrere Ampere aufnehmen.
Fehler 5: Kleine Steckverbinder als Flaschenhals übersehen
Ein leistungsfähiger Akku hilft wenig, wenn die gesamte Anlage über einen ungeeigneten einzelnen Stromanschluss versorgt wird.
Fehler 6: Zwei BEC-Ausgänge ungeprüft zusammenschalten
Nicht jeder Spannungsregler unterstützt Parallelbetrieb.
Fehler 7: Nur die Ruhespannung prüfen
Relevant ist die Spannung unter hoher dynamischer Belastung.
Fehler 8: LiHV und LiPo gleichsetzen
2S LiHV kann 8,7 V erreichen und damit für 8,4-V-Komponenten zu hoch sein.
Fehler 9: Die Versorgungsspannung nur anhand der Servos auswählen
Auch Empfänger, Gyro, Telemetrie, Fahrwerkssteuerungen und andere angeschlossene Elektronik müssen berücksichtigt werden.
44. Vorgehensweise zur professionellen Auslegung einer RC-Stromversorgung
Eine systematische Auslegung kann in dieser Reihenfolge erfolgen:
Schritt 1 – Sämtliche Verbraucher erfassen
Alle elektrisch versorgten RC-Komponenten auflisten.
Schritt 2 – Spannungsbereiche erfassen
Für jede Komponente:
- Mindestspannung
- Nennspannung
- maximal zulässige Spannung
aus dem Herstellerdatenblatt übernehmen.
Schritt 3 – Gemeinsamen Spannungsbereich ermitteln
Die Systemspannung muss innerhalb des zulässigen Bereiches aller gemeinsam versorgten Komponenten liegen.
Schritt 4 – Servo-Stromdaten ermitteln
Wenn verfügbar:
- Ruhestrom
- Betriebsstrom
- Anlaufstrom
- Blockierstrom
erfassen.
Schritt 5 – Versorgungskonzept wählen
Beispielsweise:
- direkter Empfängerakku
- Empfängerakku + BEC
- Antriebsakku + Regler-BEC
- Antriebsakku + externes BEC
- zwei Empfängerakkus + Akkuweiche
Schritt 6 – Dauerstrom dimensionieren
BEC, Akkuweiche und Stromverteiler müssen den erwarteten Dauerstrom zuverlässig bewältigen.
Schritt 7 – Spitzenstrom betrachten
Kurze Servo-Stromspitzen dürfen nicht zu einem unzulässigen Spannungseinbruch führen.
Schritt 8 – Strompfad prüfen
Dabei berücksichtigen:
- Kabel
- Stecker
- Schalter
- Leiterbahnen
- Stromverteiler
- Verlängerungen
Schritt 9 – Kapazität dimensionieren
Realen Kapazitätsverbrauch messen und mit gewünschter Fluganzahl sowie angemessener Reserve multiplizieren.
Schritt 10 – Belastungstest durchführen
Vor dem Erstflug die Anlage mit arbeitenden Servos unter realistischen Belastungen testen und dabei insbesondere die Versorgungsspannung beobachten.
45. Drei typische Stromversorgungskonzepte
Kleine bis mittlere Elektroflugmodelle
Antriebsakku → Motorregler mit ausreichend dimensioniertem BEC → Empfänger und Servos
Technisch einfach und leicht.
Entscheidend ist die tatsächliche Belastbarkeit des BEC.
Leistungsfähiges Modell mit vielen HV-Servos
2S Empfängerakku → Hochstrom-Stromverteiler → Empfänger und HV-Servos
Bei vollständiger 8,4-V-Kompatibilität kann eine Spannungsregelung entfallen.
Großmodell mit erhöhtem Redundanzanspruch
Akku 1 + Akku 2 → redundante Akkuweiche / Stromverteiler → Empfänger + Servos
Je nach System:
- geregelt
- ungeregelt
Die Auslegung erfolgt nach den technischen Daten der verwendeten Stromversorgung.
46. Welche Lösung ist grundsätzlich die beste?
Eine pauschal beste Stromversorgung existiert nicht.
Ein kleines Elektrosegelflugmodell mit vier Servos stellt vollständig andere Anforderungen als ein:
- Großmodell
- 3D-Kunstflugmodell
- Jet
- Scale-Modell mit Fahrwerk und Klappen
- Modell mit zehn oder mehr leistungsstarken Servos
Die technisch richtige Lösung ergibt sich aus:
Spannungskompatibilität + Strombedarf + Kapazitätsbedarf + Strompfad + gewünschter Redundanz
Nicht aus der Modellgröße allein.
47. Die wichtigsten technischen Regeln zusammengefasst
- Immer die maximale tatsächliche Akkuspannung berücksichtigen – nicht nur die Nennspannung.
- Alle RC-Komponenten müssen zur gewählten Systemspannung passen.
- Servos bestimmen häufig den größten Teil des Strombedarfs.
- Digital- und Hochleistungsservos können kurzzeitig mehrere Ampere pro Servo aufnehmen.
- BEC-Dauerstrom und BEC-Spitzenstrom sind unterschiedliche Kenngrößen.
- Die mögliche BEC-Leistung kann von Eingangsspannung und Kühlung abhängen.
- Akkukapazität und Hochstromfähigkeit sind unterschiedliche Eigenschaften.
- Steckverbinder, Kabel und Stromverteiler gehören zur elektrischen Dimensionierung.
- Bei hohen Strömen sollte die Servo-Leistung nicht unnötig über einen einzelnen schwach dimensionierten Empfängeranschluss geführt werden.
- Zwei Spannungsregler dürfen nur parallel betrieben werden, wenn der Hersteller dies ausdrücklich vorsieht.
- Bei Lithium-Akkus unterscheiden sich LiPo, LiFePO4, Li-Ion und LiHV erheblich hinsichtlich ihrer Spannungen.
- Der tatsächliche Kapazitätsverbrauch sollte nach Möglichkeit per Telemetrie oder Messung ermittelt werden.
- Die Versorgungsspannung muss auch während hoher dynamischer Servo-Belastung stabil bleiben.
Häufig gestellte Fragen zur RC-Stromversorgung
Kann ich einen 2S-LiPo direkt am Empfänger betreiben?
Nur wenn Empfänger, sämtliche Servos und alle anderen mitversorgten Komponenten für die maximale Akkuspannung von 8,4 V zugelassen sind.
Die Angabe 7,4 V auf dem Akku beschreibt lediglich dessen Nennspannung.
Was bedeutet HV bei Servos?
HV steht für High Voltage.
Solche Servos sind für höhere Versorgungsspannungen ausgelegt als klassische 4,8-/6-V-Servos. Der konkrete Spannungsbereich ist jedoch hersteller- und modellabhängig.
„HV“ darf deshalb nicht automatisch mit „8,4 V geeignet“ gleichgesetzt werden. Entscheidend bleibt das Datenblatt.
Benötige ich bei HV-Servos zwingend ein BEC?
Nein.
Sind alle Komponenten für die Spannung des verwendeten Akkus geeignet, kann auch eine direkte ungeregelte Versorgung möglich sein.
Ist ein BEC besser als ein Empfängerakku?
Nicht grundsätzlich.
Ein BEC spart einen separaten Akku und kann eine konstante Ausgangsspannung erzeugen.
Ein separater Empfängerakku kann dagegen die RC-Stromversorgung energetisch vom Elektroantrieb trennen.
Beide Konzepte können bei korrekter Auslegung technisch sinnvoll sein.
Wie viel Ampere muss mein BEC besitzen?
Das lässt sich nicht allein aus der Servoanzahl bestimmen.
Relevant sind:
- Servotyp
- Herstellerangaben zur Stromaufnahme
- Anzahl gleichzeitig belasteter Servos
- weitere Verbraucher
- Betriebsspannung
- Kühlung
- gewünschte Reserve
Bei leistungsstarken Servos sollte zusätzlich der Spitzenstrom betrachtet werden.
Reichen 10 A für zehn Servos?
Aus der Servoanzahl allein lässt sich das nicht beantworten.
Zehn kleine Servos können erheblich weniger Strom benötigen als vier große Hochleistungsservos.
Wie groß muss der Empfängerakku sein?
Am zuverlässigsten wird zunächst der tatsächliche Kapazitätsverbrauch pro Flug gemessen.
Anschließend:
Verbrauch pro Flug × gewünschte Fluganzahl × Sicherheitsreserve
Die Kapazität darf allerdings nicht isoliert betrachtet werden. Der Akku muss auch den erforderlichen Spitzenstrom liefern können.
Sind zwei Empfängerakkus immer sicherer?
Nur bei einer sinnvoll ausgeführten redundanten Stromversorgung.
Zwei Akkus, die anschließend über einen gemeinsamen kritischen Strompfad geführt werden, beseitigen nicht automatisch alle möglichen Ausfallursachen.
Kann ich zwei BECs parallel betreiben?
Nur wenn der Hersteller beziehungsweise das verwendete Stromversorgungssystem diese Betriebsart ausdrücklich unterstützt.
Ein ungeregeltes Parallelschalten zweier BEC-Ausgänge ist keine allgemein zulässige Methode.
Fazit: Die RC-Stromversorgung als Gesamtsystem betrachten
Eine zuverlässige Stromversorgung im Flugmodellbau entsteht nicht durch die Auswahl eines möglichst großen Akkus oder eines BEC mit möglichst hoher Ampere-Angabe.
Entscheidend ist die systematische Betrachtung der gesamten elektrischen Kette:
Akku → Verkabelung → Steckverbinder → Spannungsregelung → Stromverteilung → Empfänger → Servos und RC-Komponenten
Zunächst muss die Spannung zu sämtlichen Komponenten passen.
Danach wird geprüft, welche Dauer- und Spitzenströme auftreten können. Akku, BEC, Schalter, Steckverbinder, Leitungen und Stromverteiler müssen diese Belastungen zuverlässig übertragen können.
Erst anschließend wird die erforderliche Akkukapazität anhand des tatsächlichen Energieverbrauchs dimensioniert.
Insbesondere bei leistungsstarken Flugmodellen mit mehreren Digital- oder HV-Servos sollte außerdem verhindert werden, dass der gesamte Servostrom unnötig über einzelne kleine Steckkontakte oder nicht dafür ausgelegte Strompfade geführt wird. Hierfür stehen leistungsfähige Hochstromverteiler, PowerSafe-Empfänger, Central-Box- und Akkuweichen-Systeme zur Verfügung.
Eine fachgerecht ausgelegte RC-Stromversorgung zeichnet sich deshalb nicht durch eine bestimmte Akkutechnologie oder ein bestimmtes Produkt aus, sondern dadurch, dass Spannungsbereich, Strombelastbarkeit, Kapazität, Verkabelung und Redundanz konsequent aufeinander abgestimmt sind.
